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Orte
zur Pflege alter und gebrechlicher Menschen und solcher, die unheilbar erkrankt sind, gibt es nicht erst in der Neuzeit.
Schon im griechischen Altertum kannte man solche Häuser und auch die Römer bauten in größeren Städten ähnliche Einrichtungen. Der Begriff „Hospiz“ stammt vom lateinischen Wort „hospitium“ und bedeutet Herberge, Gastfreundschaft.
Während der Kreuzzüge errichteten die Kreuzritter entlang ihrer Wege nach Jerusalem Stätten, in denen ihre Kranken und Verwundeten gepflegt wurden. Nach dem Verlassen des Heiligen Landes gründeten sie in ihren Niederlassungen auf Rhodos und Malta solche Einrichtungen. Es gehörte zu den vornehmsten Pflichten ihres Ordens, „den Herren Kranken“ selbst zu dienen und dies auf gar keinen Fall „untergeordneten Dienern“ zu überlassen.
Die ersten christlichen Orden übernahmen die Leitung der Hospize.
Im Mittelalter verbreiteten Seuchen Angst und Schrecken in der Bevölkerung. Man wollte die Erkrankten nicht mitten unter sich leben lassen und errichtete deshalb vor den Stadttoren sogenannte Seuchenhäuser. Sie dienten vordringlich dem Ziel, den Kranken wenigstens ein Dach über dem Kopf zu gewähren. Es gab nur wenige Menschen, die ihre Angst vor Ansteckung überwanden und die Kranken pflegten.
Während der Reformation kam es zur Schließung der Klöster und auch ihrer Hospize.
Es bildeten sich danach sogenannte Hospitalorden. Sie gründeten die ersten Hospitäler. Man kann sie als Vorläufer unserer heutigen Krankenhäuser ansehen.
Hospize als Herbergen für Reisende und Pilger, als Raststätten für körperliche und geistige Rekreation entstanden an den großen Passwegen St. Gotthard und St. Bernhard.
Der Hospizgedanke, der vom Prinzip der mitmenschlichen Solidarität bestimmt oder geleitet wird, ist also in den letzten 2000 Jahren nie verloren gegangen. Er wurde vielmehr immer wieder neu und anders geprägt.
Etwa in der Mitte des vorigen Jahrhunderts gründete Frau Mary Aikenhead in Dublin den Orden „Irische Schwestern der Barmherzigkeit“ und stellte diesem ihr eigenes Haus zur Verfügung.
Die Schwestern dieses Ordens hatten sich die Pflege und Sorge Sterbender zur Aufgabe gemacht. Mary Aikenhead nannte ihr Haus „Hospiz“. Sie verstand den Tod nicht als Ende des Lebens sondern als Durchgang, als Reise in das Land des Lebens.
1905 gründeten die Irischen Schwestern der Barmherzigkeit das St. Joseph`s Hospiz im Osten Londons, in einem Stadtteil, in dem überwiegend Arbeiter und Arme lebten.
In diesem Hospiz arbeitete in den 50ziger Jahren die Ärztin, Krankenschwester und medizinische Sozialarbeiterin Cicely Saunders. Während ihrer 7jährigen Tätigkeit am St. Josephs Hospiz arbeitete sie an der Entwicklung der Schmerztherapie und Symptomkontrolle. Hier leistete sie Pionierarbeit. In dieser Zeit plante sie auch ein eigenes Hospiz und eröffnete am 24.07.1967 das St. Christopher`s Hospiz in Sydenham, im Südosten Londons.
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Sie sind wichtig, weil Sie eben Sie sind.
Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig,
und wir werden alles tun,
damit Sie nicht nur in Frieden sterben,
sondern auch bis zuletzt leben können.
(Cicely Saunders)
Dieser Grundsatz von Dame Cicely Saunders ist auch der Grundsatz der Hospizbewegung.
Bevor Dr. Cicely Saunders das St. Christopher`s Hospiz gründete, hatte sie bereits einen ambulanten Dienst eingerichtet. Nach der Eröffnung des St. Christopher`s Hospiz wurden also dem stationären Bereich sehr schnell eine Ambulanz und ein Hausbetreuungsdienst angegliedert.
Dr. Cicely Saunders wollte das Hospiz niemals als „Sterbeklinik“ verstanden wissen.
Eines ihrer wichtigsten Ziele war es, das Sterben zu Hause zu ermöglichen. Die folgende Tabelle zeigt, dass 1996 schon mehr als die Hälfte der im Hospiz aufgenommenen Menschen zum Sterben nach Hause in den Kreis der Familien geholt werden konnte.
Im Jahr verblieben im Hospiz konnten nach Hause entlassen werden
1967 98,0% 2,0%
1981 72,6% 27,4%
1986 66,6% 33,4%
1990 61,3% 38,7%
1992 57,0% 43,0%
1994 51,7% 48,3%
1996 47,8% 52,2%
Außerdem richtete Dr. Cicely Saunders eine Trauergruppe ein, die sich in Einzelgesprächen oder in Gruppensitzungen um Hinterbliebene kümmerte, um ihnen Hilfe und Stütze bei der Bewältigung der Trauerarbeit zu geben.
Ferner konnten sich am Bildungszentrum des Hospizes Ärzte und Pflegepersonal fort- und weiterbilden. Auch interessierte Laien erhielten hier Informationen.
Heute ist das Bildungszentrum eine Zentrale für die Hospizbewegung und fördert einen regen Informationsaustausch über Kontinente hinweg.
In den darauffolgenden Jahren entstanden zunächst in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland, später auch in Italien, der Schweiz, Skandinavien, Frankreich und Japan und auch in Polen und Russland viele Einrichtungen.
Heute ist der Hospizgedanke in über 40 Ländern verbreitet.
Die Hospizbewegung hat sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt.
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Nichts auf der Welt ist so mächtig,
wie eine Idee,
deren Zeit gekommen ist !
Die Entwicklung der Hospizbewegung in Deutschland
In den 60er Jahren entstanden erste Kontakte deutscher Ärzte und Theologen zur englischen Hospizbewegung.
Mitarbeiter des Paul-Lechler-Krankenhauses/Tübingen lernten Londoner Hospize kennen. Sie gliederten Elemente der Hospizbewegung wie Schmerztherapie, Symptomkontrolle, Sterbebegleitung und die Einbeziehung der Angehörigen in ihre tägliche Arbeit mit ein.
Das Paul-Lechler-Krankenhaus hat also sehr früh die Ziele der Hospizbewegung für sich umgesetzt.
1971 erlangte die Hospizbewegung in Deutschland breitere Bekanntheit durch den im ZDF
ausgestrahlten Dokumentationsfilm „Noch 16 Tage – eine Sterbeklinik in London“. Der
Film wurde vom Jesuitenpater Reinhold Iblacker und von Siegfried Braun im
St. Christopher`s Hospiz gedreht und löste heftige Reaktionen aus.
Es kam zu großen Missverständnissen und Missdeutungen, denn es stand zu wenig
Informationen über die Hospizbewegung zur Verfügung.
So hat der Film das Bild „Hospiz = Sterbeklinik“ geprägt, mancherorts vielleicht bis
heute. Nur so ist auch die ablehnende Haltung der Kirchen, Krankenhausgesellschaften,
Wohlfahrtsverbände und auch fachkundiger Einzelpersonen zu erklären, als sie 1978
vom Bundesministerium für Jugend, Gesundheit und Familie zum Bau von
Sterbekliniken gefragt wurden.
Durch verstärkte Kontakte nach England entstanden eine noch größere Zahl von
Hospizinitiativen in der BRD und der DDR.
Der Internist Paul Becker übernahm als erster niedergelassener Arzt in Deutschland in
den 70er Jahren den Hospizgedanken in seine praktische Arbeit.
1986 gründetet er die „Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand
e. V. ISGL . Sie bot Fortbildungsveranstaltungen und Lehrgänge an und verbreitete so
die Hospizidee.
1976 integrierte Professor Kleeberg Elemente der Palliativmedizin in seine onkologische
Schwerpunktpraxis in Hamburg. Trotzdem stehen bis heute noch viele Onkologen der
Hospizbewegung eher ablehnend gegenüber.
1983 erste stationäre Hospiz-Einrichtung als Station für palliative Therapie an der
Chirurgischen Uniklinik Köln. In den Folgejahren wurde ein Hausbetreuungsdienst
als ambulanter Pflegedienst eingerichtet.
1988 wurde ein Hospiz für alleinstehende pflegeintensive Patienten mit voraussichtlich
längerer Lebenserwartung angegliedert, das
1991 zur eigenständigen Einrichtung wurde.
Dazu kam noch eine Schmerzambulanz zur Versorgung ambulanter und stationärer
Patienten.
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1988 Einrichtung einer Palliativstation an der Robert-Junker-Klinik Bonn.
1990 Einrichtung einer Palliativstation am Malteserkrankenhaus in Bonn
1984 Gründung einer Arbeitsgruppe „Zuhause sterben“ an der Ev. Fachhochschule in
Hannover durch Professor Christoph Students.
Er trug maßgeblich dazu bei, Vorurteile gegenüber der Hospizbewegung zu entkräften.
1984 in Stuttgart Gründung der Initiative „Sitzwache in Pflegeheimen“. Gerade dort fehlt ja die
Zeit für eine ausreichende psychosoziale Betreuung.
1991 in Stuttgart Zusammenschluss dieser Gruppen zur Arbeitsgemeinschaft „Sitzwachen“
als Teil des Gesamtkonzeptes der Stuttgarter Hospizbewegung.
1985 in München Gründung des Christopher Hospiz-Vereins durch Pater Reinhold Iblacker
1985 Gründung des Vereins „Omega – mit dem Sterben leben e.V.“
1986 Gründung des ersten stationären Hospizes „Haus Hörn“ in Aachen durch den Aachener
Oratorianer-Konvent und auf Initiative von Pater Dr. Peter Türks.
Dieses Hospiz wurde nicht – wie in England – von einem Arzt geleitet.
Die medizinische Versorgung erfolgte durch Hausärzte oder Konsiliarärzte der Uniklinik
Aachen.
1987 in Stuttgart Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Hospiz – Begleitung Sterbender und
ihrer Angehörigen“. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft ist die Unterstützung der
Angehörigen bei der häuslichen Pflege Sterbender.
1987 Gründung des „Hospiz zum Heiligen Franziskus“ in Recklinghausen
1988 Gründung „Deutsche Hospizhilfe“ in Buchholz
1992 Gründung von ALPHA durch das Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes
NRW. Bei ALPHA handelt es sich um Ansprechstellen zur Pflege Sterbender,
Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung.
ALPHA gibt es in Münster und Bonn.
Seit 1993 bietet ALPHA Fortbildungen für
· medizinisches Personal,
· andere Fachgruppen und
· interessierte Laien.
Durch zunehmende Qualifikation will man eine Vernetzung der Versorgung Sterbender und ihrer Angehörigen entstehen lassen.
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